Kath. Saalfrank
Geburtstag: 22.11.1971
Geburtsort: Bad Kreuznach
bekannt als ,,Super Nanny” auf RTL
KUKKSI: Sie sind Diplom-Pädagogin und die “Super Nanny” bei RTL. Seit 2004 läuft die Sendung “Die Super Nanny” sehr erfolgreich. Gibt es einen großen Unterschied zwischen der Arbeit hinter den Kulissen und vor der Kamera?
Katharina Saalfrank: Ich arbeite in dem Format “Die Super Nanny” mit Kamera - das ist der Unterschied zwischen der öffentlichen pädagogischen Arbeit und der Arbeit in diesem Format. Wenn ich in einer Beratungspraxis arbeite, dann kommen die Familien zu mir und wir sprechen hinter geschlossenen Türen in einem Raum, den ich gestaltet habe - also einem für die Familie fremdem Raum. Das ist ein großer Unterschied zu der Arbeit, die ich jetzt IN den Familien leisten kann. Laden die Familien mich zu sich ein, dann ist die Kamera dabei. Es gibt für mich in einer Familienarbeit mit Kamera kein “vor und hinter” der Kamera. Ich arbeite dann ausschließlich mit der Kamera und führe keine Gespräche ohne dieses Medium.
KUKKSI: Die Eltern bewerben sich bei dem Format “Die Super Nanny”. Freuen sich die Kinder auf ihren Besuch, realisieren die Kleineren, was Sie gerade in der Familie machen?
Katharina Saalfrank: Die Kinder bekommen oft von ihren Eltern Druck gemacht. Wenn ich jedoch da bin, realisieren alle - auch die Kinder, dass sich etwas zum positiven insbesondere für die Kinder verändert. Deshalb habe ich immer gute Unterstützung von den Kindern. Oft müssen die Kinder auch die Eltern bitten, mich einzuladen! Mein Anliegen ist ja vor allem die oft so schwierige Situation für die Kinder zum Guten zu verändern - das können die Kinder gut wahrnehmen und freuen sich deshalb auf mich.
KUKKSI: Das Verhalten der Kinder liegt meist an der Erziehung der Eltern. In der Sendung “Die Super Nanny” kommt es häufig vor, dass Sie eher die Eltern, als die Kinder erziehen. Was machen die Eltern falsch? Wäre der Name “Die Eltern Nanny” nicht bei manchen Folgen besser?
Katharina Saalfrank: Also, der Name “Die Super Nanny” passt für mich sowieso überhaupt nicht. Ich bin weder “Super” noch bin ich eine “Nanny”. Auch “erziehe” ich nicht - weder Eltern noch Kinder. Aber es ist so, dass ich vorallem bei den Eltern ansetze. Die Eltern verstehen häufig die so wichtigen und ganz normalen Bedürfnisse ihrer Kinder nicht. Sie interpretieren Verhalten nicht gut und kennen auch oft die Ängste und Wünsche nicht. Es geht eben zwischen Menschen nicht um “Erziehung” sondern es geht immer - so auch zwischen Eltern und Kindern - um “Beziehung”. Ich spreche mit den Eltern darüber und gehe und gehe auch in eine Beziehung zu den Eltern. Die Beziehungserfahrung, die sie mit mir machen (Ernstnehmen, Zuhören, Wertschätzung) können sie dann an ihre eigenen Kinder weitergeben. Ziel meiner Arbeit ist es, Eltern so viele wie möglich positive Beziehungserfahrungen mit ihren Kindern zu ermöglichen.
KUKKSI: Seit dem Amoklauf von Winnenden sorgt wieder das Verbot von “Killerspielen” für viel Gesprächsstoff, unter anderem auch in der Politik. Was meinen Sie. Sollten “Killerspiele” verboten werden?
Katharina Saalfrank: Ich bin immer erstmal dafür, etwas nicht einfach zu verbieten. Das würde die Problematik nur verschieben und das Dilemma nicht aufheben. Die sogenannten “Killerspiele” an sich finde ich persönlich nicht reizvoll und oft extrem brutal. Schwierig finde ich, wenn Jugendliche aus Frust und Langeweile in eine virtuelle Welt fliehen und dann auch schnell den Bezug zur realen Welt verlieren. Selbstbewusstsein, soziale Erfahrungen und Beziehung können nur in der realen Welt wirklich erlebt werden. Oder anders: Die Sonne auf dem Bildschirm ist nicht warm!!!
KUKKSI: Bleiben Sie mit den Familien nach Beendigung Ihrer Arbeit in Kontakt und werden ihre Regeln und pädagogischen Impulse eingehalten?
Katharina Saalfrank: Also, Regeln gebe ich ja nie vor! Die pädagogischen Impulse in Form der Dinge, die wir gemeinsam angestoßen haben, werden in der Nachsorge durch zwei Psychologen gefestigt, die die Familie in langfristige Hilfsangebote vor Ort anbinden. Ich arbeite sehr eng mit Psychologen zusammen, so dass ich über diese auch Kontakt mit den Familien halte und sehr gut informiert bin. Die Nachsorge ist ein sehr wichtiger Aspekt meiner Arbeit. Ohne diesen könnte ich die Arbeit nicht leisten.
KUKKSI: Hessens Ministerpräsident Roland Koch hat letztes Jahr gefordert, in einzelnen Fällen das Jugendstrafrecht unter 14 Jahren anzuwenden. Teilen Sie die Meinung?
Katharina Saalfrank: Meine Meinung hierzu ist klar und vielleicht haben Sie meine öffentliche Stellungname dazu gelesen! Es bringt meiner Meinung nach nichts, Kinder und Jugendliche noch früher “wegzuschließen”. Im Gegenteil! Das kann alles noch schlimmer für die Jugendlichen machen. Wichtig ist, dass wir viel früher ansetzen. Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung, denn sie werden nicht “einfach” straffällig, sondern haben oft extrem ungünstige familäre Bedingungen, die entweder keinem auffallen oder zu spät bekannt werden.
KUKKSI: Am 03.12.2008 kam die Folge mit dem siebenjährigen Dustin. Viele Medien sprachen davon, dass Sie hier aufgegeben haben. Was ging in Ihnen vor, was war genau los?
Katharina Saalfrank: Ich bitte um Verständnis, dass ich mich nicht konkret zu meiner Familienarbeit äußern kann. Ich unterliege auch der Schweigepflicht. Was ich sagen kann ist, dass mein Ziel dieser Arbeit war - und jeder, der die Arbeit verfolgt hat wird das auch gesehen haben - die Mutter dabei zu begleiten, ihren Sohn loszulassen und dem Jugendamt selber mitzuteilen, dass sie gerade nicht für ihr Kind da sein kann. Das ist gelungen. Diese Arbeit leisten Tag für Tag pädagogische Berater in Familien und auch zu meiner Arbeit gehört das. Was die Medien mit “aufgeben” gemeint haben, ist mir in diesem Zusammenhang auch nicht so ganz klar - vielleicht wurde dort nur die halbe Arbeit gesehen oder auch nicht so ganz vestanden, was mein Ziel war. Gern wird ja auch provoziert oder überspitzt! Schön, dass ich das hier nochmal richtig stellen konnte!
KUKKSI: Sie beobachten die Familie erst und dann fangen Sie an mit arbeiten. Manchmal sind sie jedoch schockiert, was Sie in der Beobachtungsphase zu Gesicht bekommen. Würden Sie manchmal nicht lieber sofort eingreifen wollen? Was schockiert Sie am häufigsten? Der Umgang miteinander in der Familie oder doch die unsaubere Wohnung?
Katharina Saalfrank: Es gehört für mich einfach dazu, erstmal einen Einblick in das Leben der Familie zu gewinnen, deshalb kann ich mich ganz gut rausnehmen und nur beobachten. Je besser ich beobachten kann, desto intensiver sind dann meine Eindrücke. Wenn Gewalt im Spiel ist, dann unterbreche ich auch sofort, das ist dann auch in der Arbeit zu sehen. Ab und zu kommt das vor. Schockiert bin ich nicht wirklich - Schock ist ein Zustand, der lähmt und unbeweglich macht! Ich bin eher berührt und fühle mit allen Beteiligten. Berührt von dem Umgang, den die Eltern oft mit den Kindern haben oder auch erschrocken darüber was Eltern von ihren Kindern erwarten.
KUKKSI: Nun noch eine Frage zu Ihrem Privatleben. Sie sind viel unterwegs und helfen anderen Familien. Selber sind Sie Mutter von vier Kindern. Bleibt Ihnen da noch genug Zeit für ihre eigene Familie und wie gestalten Sie ihre Freizeit?
Katharina Saalfrank: Ich habe schon immer Familie und Beruf gut verbinden können, weil ich mir mit meinem Mann alle Verantwortung emotional und auch praktisch teilen kann. Das ist auch jetzt wieder so. Meine Kinder sind jedoch auch schon ziemlich eigenständig und so sind wir alle viel unterwegs und machen immer feste “Treffpunkte” am Tag aus, wo wir uns treffen und uns austauschen. Zum Beispiel beim Essen oder am Nachmittag.
KUKKSI: Und nun noch die letzte übliche Frage von uns. Kannten Sie vorher Kukksi schon? Was halten Sie von dem Berliner Jugend- und Studentenprojekt Kukksi?
Katharina Saalfrank: Ich kannte das Projekt vorher noch nicht und finde es gut. Es müsste viel mehr solcher Projekte und engagierte Jugendliche und Studenten geben. Alles Gute für euch und danke für das schöne Interview.
Wir bedanken uns für das Interview bei Katharina Saalfrank!